2. Mai 2018

VERGISS NICHT ZU DANKEN? Bibeldialog für Eltern von Menschen mit Behinderung

Am Sonntag nach einem gemeinsamen Gottesdienst ging der Bibeldialog für Angehörige von Menschen mit Behinderung zu Ende. Unser Thema war Dankbarkeit. Und dankbar sind wir wohl alle nach Hause gefahren. Dankbar für viele praktische Anregungen im Leben mit einem behinderten Angehörigen die einen, dankbar für Gespräche über die Bibel und das eigene Leben, die anderen.
Beobachtet haben wir im Evangeliumstext zum blinden Bartimäus, dass Jesus bevor er den Mann heilt, nicht nur von ihm erwartet, dass er selbst etwas tut: Komm her zu mir! Sondern er fragt, war der blinde Mann denn von Jesus will. Eine Anregung für mich als Kinderlose in der Begegnung mit Menschen, mit einer Behinderung: erst einmal fragen, ob man und dann wie man helfen soll.

Besonders beeindruckt haben uns auch die wunderschönen liebevoll gestalteten Egli-Figuren, die unsere Referentin Gisa vorgestellt hat. Das hat die Geschichte um den zeitweilig verstummten Zacharias anschaulicher und nachvollziehbarer gemacht.

Unsere zweite Referentin, Veronika, erklärte uns, wie die emotionale Entwicklung eines Menschen sich in den unterschiedlichen Phasen seines Lebens auswirkt, insbesondere, wenn diese Phasen nicht in den sonst üblichen Lebensaltern auftauchen, etwa bei einem geistig behinderten Menschen. Körperlich erwachsen, aber emotional auf der Entwicklungsstufe eines Kindes. Sie ist selbst Schwester eines Schwerstmehrfachbehinderten und bringt so eigene Erfahrungen und psychologische Fachkenntnisse zusammen, die es ihr ermöglichen, ohne falsche political correctness klar auszusprechen, wo es immer wieder zu Problemen mit der wenig verständnisvollen Umwelt kommt. Dass man so den Menschen um einen herum erklären kann, was eine als störend oder übergriffig empfundene Handlung des behinderten Sohnes oder der Tochter eigentlich bedeutet, nimmt sicher etwas Spannung aus der Begegnung mit der Umwelt.

Großer Dank wurde immer wieder unserem ehrenamtlichen Leitungsteam ausgesprochen: Anne-Kathrin und Hans, Wolfgang vom Verein Eltern helfen Eltern, wo wir zum Kaffee zu Gast waren, und neu im Team, Dawid aus Tschechien, der zwei wunderbare Andachten und vor allem sich selbst mit in die Tagung eingebracht hat, aber auch den beiden Gastreferentinnen und Lothar für die Musik… und letztlich waren wir alle erfüllt von Dankbarkeit für die Gemeinschaft, die jede und jeder um seine/ihre Person, Erfahrung, Freundlichkeit  bereichert hat.
Leider sind dieses Jahr keine neuen Teilnehmer*innen dazugekommen. Die Überschrift VERGISS NICHT ZU DANKEN würde von einigen als Zumutung empfunden. Sollten die Eltern etwa dankbar sein, dass ihr Kind behindert ist? Nein, darum ging es gar nicht. Aber Dankbarkeit, die Fähigkeit, die Welt mit dankbaren Augen zu sehen, ist das Gegenteil von Verbitterung und schenkt einem den Blick auf die schönen Dinge im Leben. Das sagen mir die Mütter und Väter dieser Tagung immer wieder: Sie erleben neben aller Sorge und allem Kummer auch immer wieder wunderbare Dinge mit ihren behinderten Söhnen und Töchtern, die andere Eltern möglicherweise nicht einmal vermuten können. Segen und Fluch liegen eng beieinander, aber Segen ist immer auch dabei. Das wird das Thema im nächsten Jahr (24.-28. April 2019). Und bis dahin werden wir uns noch einmal überlegen müssen, wie wir noch mehr Menschen zur Teilnahme ermuntern können.

17. April 2018

VISIONEN VON KIRCHE – VISIONS OF CHURCH

***please scroll down for English text.  Am Sonntag ging unser Bibeldialog mit der Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) mit dem gemeinsam besuchten Gottesdienst im Berliner Dom zu Ende.  Die Predigt passte gut zu unserem Tagungsthema: Gemeinde… entwickeln, wachsen, verändern…  Offenbar hatte schon die erste christliche Gemeinde damit ihre Sorgen. In unserer Tagung erlebten wir viele spannende Berichte von Gemeinden und Projekten in den Ländern (Niederlande, Schweiz, Ukraine, Tschechien, Lettland, Rumänien, Ungarn und natürlich auch Deutschland), die alle länger waren als die vorgegebene Redezeit und dennoch nicht langweilig, weil wir eben auch eine höchst interessierte Gruppe waren, bunt gemischt aus allen Generationen. Vor allem die Begeisterung der jüngeren Teilnehmer*innen, die von praktischen Projekten erzählten und sich von den Exkursionszielen das mitnahmen, was sie zu Hause vielleicht umsetzen können, machen mich optimistisch für unsere Kirchen. Aber das Signal, dass es Visionen einer neuen Kirche gibt, einer veränderten und sich verändernden Kirche, die ein Zuhause für viele sein kann, die weiterentwickelt werden kann und soll, das kam auch von uns „Mittelalten“ und den „Alten“ - Ruheständler kann man hier nicht sagen, weil die Teilnehmer über 65 eindeutig nicht in Ruhe leben sondern sich sehr aktiv in ihren Kirchen einbringen.  
So unterschiedlich die Ladenkirche in Schwamendingen bei Zürich, die anglikanische St. Saviour's Church in Riga, die Citykerk Amsterdam, die Evangelisch-Lutherische Gemeinde auf Madeira  und das Sharehaus Refugio der Berliner Stadtmission sein mögen, gemeinsam ist ihnen, dass sie offen für alle sind, die einen Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin suchen. Die Mission – das klare christliche Profil zu vertreten – zeigt sich im Dasein für andere, die mit ihren Nöten zu uns kommen, denen wir als Christen begegnen und helfen, wie wir es eben vermögen. Nicht immer war das allen Teilnehmer*innen eindeutig genug als christlich zu erkennen. Ist es „nur“ Sozialarbeit oder "diakonisches Helfen", wenn kein Gottesdienst auf dem Programm steht? Reicht Nächstenliebe? Lassen wir das Evangelium zu weit in den Hintergrund treten?
Wir hätten noch lange weiterdiskutieren können. Mit so vielen tollen Berichten hatten wir im Leitunsgteam nicht gerechnet. Dass etwa die Citykerk und das Projekt Fresh Expressions erst am letzten Abend im Programm Platz fanden - aber keinerlei Ermüdungserscheinungen aufkommen ließen - war nicht geplant. Vielleicht ergeben sich noch mehr Gespräche oder weitere Kontakte über unseren Blog hier oder per E-Mail. Vielleicht bilden wir neue kleine Netzwerke, über die wir unsere Ideen und Visionen von Kirche miteinander weiterhin teilen.  
Last Sunday, our conference with the Community of Protestant Churches (CPCE) ended with Worship at Berlin Cathedral. The sermon fit our conference topic: congregations … how to develop them, keep them alive, change them… it seems like those were already concerns of the very first Christians. Our conference enjoyed many interesting reports from communities and projects in the Netherlands, Germany, Ukraine, Hungary, Romania, Switzerland, Latvia, and the Czech Republic – all a good deal longer than we had allotted talking time, but not a minute was boring, because the whole diverse group was highly motivated. The enthusiasm of the younger participants was particularly hope-inspiring for me, when they told us about very practical projects to reach out to people formerly distanced from any kind of church and who took from our excursion in Berlin what they could possibly implement at home. However, the signal, that there are visions of church, a church that allows for change and development, that can be a home for many, came also from us “middle old” and “old” ones – retired would not be a fitting term, because our 65+ members of the group were very much active in their communities.
While the different projects (see the links in the German text above) were truly very diverse in their approach and activities, they all had in common, that they aim to be open for all who seek contact. Some in our group had questions as to whether the Christian profile is visible enough. Are we doing "just" social or charity work? Do we place the Gospel, the Word of God too much in the background? Is "loving thy neighbour" mission enough? We would have liked much more time for discussion. There were – to our happy surprise – so many reports that some ended up at the last evening, and regrettably there was not enough time to discuss them all as much as we would have wished. But maybe contacts can continue via our blog, possibly by E-Mail. Maybe we can see a few new small networks for the exchange of our ideas and visions of Church.

11. April 2018

VISIONS OF CHURCH - VISIONEN VON KIRCHE

Heute beginnt schon der nächste Bibeldialog. Es geht uns diesmal um Visionen von Kirche. Dass Kirche so bleibt, wie sie ist, war ja eigentlich von Anfang an nie geplant und wir sehen auch heute, dass lebendige Kirche immer eine in Bewegung ist. Klar, wer sich im Jetzt und Hier wohl fühlt, ist nicht so begeistert, wenn immer wieder alles anders wird, und wohin soll es überhaupt gehen? Wir wollen Kirche Jesu Christi sein und wie das aussehen soll, wird jede Generation und jedes Land ein wenig anders definieren. Finden wir wohl zusammen? Unsere Teilnehmer*innen kommen aus Deutschland, der Schweiz, Lettland, Ukraine, Rumänien, Portugal, Ungarn und den Niederlanden; sie sind von Anfang 20 bis Anfang 80, Theolog*innen und aus anderen Berufen. Sehr viel bunter geht es nicht. Wir alle wollen unsere Visionen von Kirche miteinander teilen und wer weiß, vielleicht auch ganz neue Visionen entwickeln. 
Today we begin another Bible Dialogue. This time about our visions of church. It was never intended that the Church remain as it is. Living Churches and congregations tend to be lively and open to change. Sure, if one feels good in the here and now, it is hard to accept that there will always be something new. And where is all this supposed to go?  We want to be the Church of Jesus Christ and what we understand by that, might be a little different in every generation and in every country. Will we find common grounds?  We will be Christians from Germany, Romania, Hungary, Ukraine, Latvia, Portugal, Switzerland and the Netherlands, between 20 and 80 years of age, theologians and other professions. It cannot get much more diverse. We want to share our visions for a living church with each other and maybe find some new ones as well.

9. April 2018

AM ANFANG WAR DAS WORT - Europäischer Bibeldialog in Paris

*** please scroll down for English text -
Am Samstag schon endete unser erster Bibeldialog in Paris. Das Foyer le Pont, ein Tagungshaus für europäische und protestantische Begegnungen war genau richtig für uns. Alle Einfachheit, Zweckmäßigkeit und die relativ kleinen Zimmer haben uns einen realistischen Eindruck des normalen Pariser Lebens vermittelt; alle Kompetenz, Freundlichkeit und Flexibilität aber auch eine Vorstellung von Pariser Lebenskunst. Ob Stadtrundgang bei Straßenlärm und teilweise Regen, Erste Hilfe bei abgesagten Zügen oder Flügen wegen diverser Streiks, umgestellten Exkursionen und entsprechend verändertem Tagungsprogramm: die freundlich entspannte Art der Kolleginnen im Foyer le Pont hat auf uns abgefärbt. 
Wir waren 28 Menschen aus Deutschland, Rumänien, Polen, Tschechien, der Schweiz und der Ukraine. Die intensiven Eindrücke, die das „Paris protestant“ bei uns hinterlassen hat, waren oft überraschend. Sachlich informativ wurden wir beim Stadtspaziergang durch die wunderbar kundige und charmante Britta François durch die Geschichte der Protestanten in Frankreich geführt. Mit kleinen evangelischen Gemeinden haben wir bei einem laizistischen und dann doch eher katholischen Land gerechnet. Die Schwierigkeiten, die Vorstadtgemeinden wie St. Cloud zu bewältigen haben, waren aber doch überraschend - auch für unsere polnischen und ukrainischen Teilnehmerinnen und unseren tschechischen Leiter, die ja selbst Minderheitssituationen gut kennen. Noch überraschender und tief beeindruckend waren die Begegnung mit der Pfarrerin und ihr Bericht, mit welcher Hingabe sie selbst und ihre Gemeinde die geistlichen wie die sozialen Aspekte des Gemeindelebens annahmen. Ganz anders und doch auch nicht weniger eindrucksvoll die Arbeit der deutschen Auslandsgemeinde in Paris. Schon eine relativ große Kirche zu haben und eine gute Organistin dazu kann einen Unterschied machen. Ohne eine Vision und Ideen, wie es in Zukunft weitergeht, wenn Au Pairs weniger werden, wenn Firmen lieber Flüge nach Hause dazugeben, als eine ganze Familie nach Paris ziehen zu lassen, würde es aber auch dort nicht gehen. Kleine Gemeinden packen das direkter an. Davon können wir in den großen Kirchen nur lernen. 
"Am Anfang war das Wort." Das Thema unsere Tagung nahm die drei großen Begriffe Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit auf. Die biblischen Themen wurden ergänzt durch pädagogische-gesellschaftliche Aspekte, die zum Umsetzen in der pädagogischen Arbeit anregen sollten.
Ja, Regeln – wie die 10 Gebote - haben auch etwas von Befreiung. Meine Freiheit hört da auf, wo sie die Freiheit anderer beschneidet. Gleichheit – das war ein schwieriges Thema. Vor Gott sind wir alle gleich, denn nach seinem Bilde sind wir alle geschaffen. Aber dennoch gibt es Privilegien, sie nicht alle genießen. Wer diese nicht wahrnehmen kann oder will, hat sie vermutlich. Die Schwierigkeit des Zusammenlebens als Brüder und Schwestern kannten schon die ersten christlichen Gemeinden. Einander in die Augen sehen, einander wahrnehmen: das kann ein Anfang sein.
Wie wichtig Worte sein können, wurde uns auch bewusst, denn nur sehr wenige von uns sprachen gut Französisch – ich gehöre da leider auch nicht dazu. Aber die multikulturelle Atmosphäre der Stadt, die uns allen auffiel, sorgte auch dafür, dass die Menschen in Paris sehr nachsichtig mit unserem fehlerhaften und unvollkommenen Französisch umgingen.
*** Saturday we ended our first Bible Dialogue in Paris. We were 28 people from Germany, Poland, Romania, Switzerland, the Czech Republic, and Ukraine between 19 and over 70 years. The Foyer le Pont, an encounter centre for Protestants in Europe was a perfect place for such a diverse European group. We had a beautiful walk through Protestant history in Paris with the wonderful and charming Britta François. We visited two very different Protestant congregations that both showed the spirit that allows small congregations to be lively and hopeful despite many difficulties in a secular state.
Our topic was the word that is the beginning of it all and we could connect this to the three famous French words Liberté, Ègalité and Fraternité. Biblically we looked at our own liberation by faith, our problems with acknowledging how all people are equal before God – in all their many different ways; and the first Christians having much the same problems to live a brothers and sisters and in unity. This way we are aware that our ideals today of freedom, equality and brotherly love are always something we need to work on.

29. März 2018

FROHE OSTERN / HAPPY EASTER!

Please scroll down for English text***
Morgen ist Karfreitag. Ich übergehe das oft, weil ich ja schon heute Segenswüsche für Ostern versenden möchte. So ähnlich mache ich es wohl oft auch im Alltag: schaue nach einem Lichtschimmer in der Ferne, um die Dunkelheit vor mir nicht wahrnehmen zu müssen. Aber wenn ich so darüber nachdenke: wenn ganz am Horizont die ersten Anzeichen der aufgehenden Sonne zu sehen sind, ist es ja noch immer dunkel und dennoch schauen wir erwartungsvoll dem Sonnenaufgang entgegen und nennen es "Morgen". Dann ist nicht mehr Nacht. So sehe ich Ostern: Karfreitag wird erst noch kommen mit seinen schwarzverhüllten Altären und traurigen Liedern, aber wir wissen ja schon, dass auf Karfreitag Ostern folgt. Ohne das Sterben keine Auferweckung von den Toten, aber dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass wissen wir schon heute. In dem Sinne - und weil ich an Ostern selbst vermutlich nichts auf Facebook posten werde) FROHE, GESEGNETE OSTERN! 
***
Tomorrow is good Friday. I tend to overlook that because i want to send my Easter greetings today and then shun the computer until Tuesday :-) But to be honest I do that in life as well: ignore the darkness right in front of me, looking for the slightest shimmer of light in the far distance. Now  that I think of it: when far away at the horizon the first timid rays of the sun appear, it may well e pretty dark all around us, but we call it "morning". It is not night anymore. That is how I see Easter. Yes, Good Friday is still ahead with its black clad altars and sad hymns, but we already know that Easter will follow. No resurrection without dying, but we already know that Death will not have the last word. And so I wish you all a very HAPPY, BLESSED EASTER!

28. Februar 2018

Aus Gottes Frieden leben --- Living By the Peace of God

(* please scroll down for English text) Ich bin spät dran, denn es war viel los. Seitdem der Bibeldialog zum Thema „In Gottes Friedenleben … in den Spannungen der Welt“ zu Ende ging, wär ich schon in Lettland und Estland, um zukünftige Tagungen vorzubereiten. International war auch der Bibeldialog zum Frieden. Wir waren 25 Teilnehmende aus ganz Deutschland, aus Russland und der Ukraine und der Tschechischen Republik. Friedenslieder gibt es viele und so haben wir unsere Sehnsucht nach Frieden singend ausgedrückt. Spannend waren die Bibelarbeiten und der Pankower Friedenskreis, den uns Ruth Misselwitz, eine der Gründerinnen, vorgestellt hat. Einige Bibelstellen haben uns auch sehr nachdenklich oder sogar wütend gemacht. Aber ist denn mit dem Schwert das Jesus anstelle des Frieden zu bringen (Matthäus 10, 34) verspricht wirklich kaltes Metall gemeint? Vielleicht doch eher das Werkzeug, mit Hilfe dessen wir Menschen hier auf Erden für den Frieden einstehen sollen: Gottes Wort ist das Schwert, eines das überzeugen und nicht erpressen will, das nicht töten sondern Leben schenken will.

* I am a little late, because a lot of things happened. Since our Bible Dialogue “Living in the peace of God ... in the world’s conflicts” ended, I have already travelled to Latvia and to Estonia to prepare two coming Bible conferences. But our Bible Dialogue on Peace was no less international. There were 25 participants from Germany, Russia, Ukraine and the Czech Republic. There are so many songs of peace and in our singing we expressed our yearning for peace. What was interesting were besides the Bible studies the Pankow Peace Circle (Pankower Friedenskreis) of the late GDR, that Ruth Misselwitz, one of the founders, introduced to us. Some Bible passages made us think or felt like a provocation. Was Jesus really saying he’d bring the sword and not peace? (Matthew 10,34) Maybe it was not meant to be a sword of cold metal, but rather the tool we should use to make peace amongst us here on earth, and this tool is the word of God, a sword that means to convince not oppress, that doesn’t kill but instead brings life.

10. Januar 2018

Frohes neues Jahr - Happy New Year

Ab heute bin ich wieder im Büro und bald schon wieder auf Reisen. Drei Bibeldialoge werden dieses Jahr in einem anderen Land stattfinden: die Pädagogische Studientagung in Paris, die theologiestudierenden in Riga und die Musikalische Begegnung wieder in Cisnadioara in Siebenbürgen. Ein bisschen muss ich also auch reisen, aber da gut ein Drittel unserer Teilnehmer*innen aus dem Ausland anreisen, bin ich es ihnen wohl auch ein bisschen schuldig. Na gut. Ich freue mich auch drauf! Europa erleben, das ist es doch! In Berlin beim Bibeldialog und eben auch zu Gast bei denen, die sonst unsere Gäste sind. Euch allen ein gutes, ein bewegtes, bewegendes und gesegnetes 2018!

First day back at my office and soon on the road again. Three Bible Dialogues will be in other countries this year: in Paris, in Riga and singing in Cisnadioara/Michelsberg, Transylvania.  So I will get to travel some which is only fair, as a good third of our participants come to Berlin from other countries. But obviously i look forward to it. Europe is its people; it is alive! Experiencing Europe in Berlin and elsewhere. Have a good, a lively and a blessed 2018, all of you!

22. November 2017

Neues in meiner Welt - Something New in My World

(Please scroll down for English text***) So viel Vielfalt ist selbst für die Europäischen Bibeldialoge ungewöhnlich: 31 Menschen zwischen knapp 19 und über 80, aus ganz unterschiedlichen Berufen (Erzieher, Pfarrerin, Polizist, Studentin…) aus Deutschland (ost und west), Lettland, Estland, Schweden, Syrien, Afghanistan, Bosnien und Herzegowina, die meisten Christen (evangelisch, katholisch und orthodox), aber auch einige Muslime und eine Jüdin... die ganz unterschiedlichen Biographien kann ich gar nicht aufzählen.  Englisch war unsere Brückensprache, aber wir merkten auch schnell, dass der Wunsch aller einander kennenzulernen uns zu einer universalen Sprachen verholfen hat: eine Art liebende Neugier. Also Friede Freude Eierkuchen? Das nun wieder nicht, aber in unseren Gesprächen über das Neue in unserer Welt und unseren Gesellschaften - das mitunter irritiert und manchmal ängstigt - fanden wir eine gemeinsame Basis aber eben auch Konfliktstoff – z.T. innerhalb derselben Religion.
Was habe ich gelernt? Unter Anderem: Nicht die Gebote befolgen, DAMIT Gott mich liebt, sondern WEIL Gott die Menschen liebt und wir Gott lieben wollen, mit ganzem Herzen und der ganzen Kraft unseres Glaubens, den er uns geschenkt hat. Manches lässt sich nur mit dem Herzen verstehen und deshalb kaum in Worte fassen. Und vielleicht sollen wir ja auch immer weiter im Gespräch bleiben – auch wenn es ab und zu ein Streitgespräch ist. Aus zwei gegensätzlichen Ansichten kann wieder Neues entstehen.
Ich habe wieder viel gelernt – in den Vorträgen, in den Gesprächen, am Länderabend, in der liberalen Moschee … – über die Kulturen der „Anderen“ und über meinen eigenen Glauben. Mehr Zeit hätten wir gut gebrauchen können. Freizeit kam diesmal arg zu kurz und wäre sicher genutzt worden, sich noch besser kennenzulernen.
*** So much diversity is unusual even for a European Bible Dialogue. 31 people between 19 and 80, from different professions (pastor, pedagogue, policeman, student…) from Germany (east and west), Latvia, Estonia, Sweden, Syria, Afghanistan and Bosnia and Herzegovina, mostly Christian but also some Muslim and one Jewish… I cannot begin to tell of the diversity in personal biographies. English was the language we used to build bridges of communication but we soon realized that we shared a more universal language: our desire to learn and a kind of loving curiosity for one another. So all puppies and kittens? Well, not quite. In our discussions on what is new in our world, in our societies – which may be irritating or even scary – we found a basis that connects us but also grounds for dispute.
So what did I learn? Among much else: Not to follow the commandments in order to make God love me, but BECAUSE God loves us and we want to love God back with all our hearts and minds and all the strength that our faith - which God gave us. Some things can only be understood with our hearts, and so it is hard to find words. And maybe we are meant to keep discussing even arguing. Two opposing views may yet lead to something new.   
There was much to learn – in lectures, discussions, the shared experiences among this group, at the liberal Mosque… - about the “other” cultures and about my own. More time would have been good, there was so little free time which, I am sure would have been used for getting to know one another even better.

7. November 2017

Good news statt Fake News

for English text, please scroll down***
Gestern ging unser Jugendworkshop "FAKE NEWS. Die Wahrheit hinter den Worten" zu Ende. 4 Tage mit SchülerInnen, Studierenden, FreiwiligendienstlerInnen und Berufstätigen aus Deutschland, Polen, Ungarn, Rumänien und der Ukraine. Trotz einiger Sprachschwierigkeiten waren die Gespräche intensiv und lebhaft.
Es geht ja auch um viel. Wer belogen wird, kann keine richtigen Entscheidungen treffen; es entstehen Vorurteile und Misstrauen. Kann man denn in so einer Welt noch vertrauen? Ja, man kann und muss, wie sonst sollte man Freundschaften aufbauen? Das heißt natürlich nicht blind vertrauen, sondern aufbauen auf dem Vertrauen in sich selbst und in die eigenen Fähigkeiten.
Wir haben den Begriff Wahrheit näher betrachtet, der in manchen Sprachen mit den Wörter Treue und Gerechtigkeit sehr eng verwandt ist, der also nicht immer nur Fakten bedeutet. Fakten müssen mit der Wirklichkeit übereinstimmen und können bewiesen werden. Wahrheit hat – auch in der Bibel – viel dem eigenen Handeln zu tun: mit Authentizität. Das könnte auch helfen, Fake News zu entlarven: Was ist die Absicht dahinter? Will da jemand einfach Angst oder Hass erzeugen? Sind die Quellen authentisch? Stehen die Autoren als echte Personen hinter dem, was sie verbreiten?
Es war dann auch gar nicht so, dass wir „Alten“ in der Tagungsleitung den jungen TeilnehmerInnen am Workshop Alles beibringen mussten. Vielmehr haben sie viel voneinander erfahren oder gemeinsam erarbeitet: in Interviews auf der Straße, in Gesprächen und  beim Rollenspiel und nicht zuletzt am Europaabend, wo sie die besonderen Situationen in ihrem jeweiligen Land vorgestellt haben, mit  informativen Videos und Länderquizzen, aber auch mit Tänzen, Liedern und allerlei Mitgebrachtem.  
Ein bisschen viel gesessen haben wir wohl. Wir vom Team nehmen uns das zu Herzen und vertrauen nächstes Jahr noch mehr in die Fähigkeiten der jungen Menschen, erzählen ihnen weniger und lassen mehr Bewegung aufkommen. 
Gegen Vorurteile helfen am besten eigene Erfahrungen. Meine Erfahrungen nach diesem Workshop mit jungen Menschen aus der Ukraine, aus Polen, Rumänien, Ungarn und Deutschland stimmen mich jedenfalls optimistisch für die Zukunft Europas.
***Yesterday we ended the youth workshop on "FAKE NEWS. The Truth Behind the Words". 4 days with students at school or university and some already working in a job - from Germany, Poland, Ukraine, Hungary and Romania. It was a very diverse group in every way. Despite some language difficulties, the discussions were intense and lively. 
There is much at stake, indeed. If people are lied to, how can they come to a right decision. It may lead to prejudice and distrust. But can one still trust at all? Yes, one can and one has to, how else can we build friendships? Of course, this does not mean blind trust but a trust built on the foundation of trust in ourselves and in our abilities.
We looked at the term Truth that, in some languages, is closely related to the words Faith and Righteousness/Justice. So Truth means more than just facts that always need to withstand scientific scrutiny, but Truth also means being true, acting truthful. To me, this seems to be also helpful in the face of fake news: What are the intentions of those who spread them? Do they mean to cause fear or hate? Are there authentic sources and do the authors stand for their messages as real persons?
It was not that we “old ones” from the team needed to teach the youngsters all of this. No, they did a great job learning from each other and finding out by themselves: in interviews in the streets of Berlin, in discussions and role playing and, last not least, in our Europe Evening with informative videos presenting the respective countries, with quizzes, songs, dances and all kinds of contributions.
We may have spent too much time just sitting in our chairs. We, the team, have taken note of that and plan on trusting in our young participants’ abilities more next year. 
The best remedy against prejudice is personal experience. My experience with these young people from Germany, Poland, Romania, Hungary and Ukraine do indeed leave me with good hope for a future Europe.

20. Oktober 2017

EUROPÄISCHE BIBELDIALOGE 2018

Die neuen Halbjahresprogramme sind gedruckt und gehen nun so nach uns nach raus. Wer nicht sowieso schon eins bekommt, kann auch bei mir welche bestellen. (hahn@eaberlin.de) Es ist immer noch so, dass die meisten neuen Teilnehmerinnen kommen, weil jemand ihnen persönlich gesagt hat, dass sich der Weg nach Berlin lohnt. Vier Tage mit Bibel und interessanten Leuten aus ganz Europa, gute Gespräche und Lieder und was zu lachen ist auch meistens dabei, auch wenn dieThemen ernst sind. Die letzten beiden Bibeldialoge dieses Jahr sind jetzt zum Platzen voll. (Was mich ja freut!) für 2018 gibt es schon noch Plätze.